Radiologische Bilder veröffentlichen?

Im ersten Beitrag in diesem Blog habe ich geschrieben, warum ich keine eigene Sammlung radiologischer Bilder im Internet mehr aufbauen möchte: Es gibt schon sehr, sehr viel, was einfach nur gefunden werden muss. Auch wenn man nur die Quellen im Internet betrachtet, die offen verfügbar sind (also ohne Anmeldung bei X verschiedenen Websites oder gar mit einem kostenpflichtigen Zugang zu irgendeinem exklusiven Angebot eines Verlages), findet man ein sehr breites Spektrum von mehr oder weniger qualitativ guten Bildern zu fast allen Themen.

Es ist also viel sinnvoller, das schon Vorhandene „einfach“ verfügbar zu machen, findbar sozusagen. Deshalb habe ich das Projekt mit der Suchmaschine für Radiologen gestartet. Da sollen also die guten Quellen im Internet zusammen getragen werden. Auch nicht nur reine Fallsammlungen, sondern idealerweise Links zu alle Themen, die uns Radiologen angehen.

Trotzdem noch eigene Bilder ins Netz stellen?

Wenn also schon so viele Bilder aus der Radiologie im Netz sind, soll ich mir dann überhaupt noch die Mühe machen, selber Bilder zu veröffentlichen? Was könnte die Motivation sein, die ich ja offenbar bei mir selber spüre (siehe Bilder bei Wikipedia) und mit der ich gerne andere anstecken möchte?

Befund eines Torus mandibularis in der CT
Etwas Aufwand ist nötig

Klar: Das lohnt sich nicht für die fünfhundertste Abbildung eines Lobus venae azygos. Selbst der interessierteste Jungradiologe oder Student wird sich nicht mehr als vielleicht 10 oder 15 Thoraxbilder mit einem einem Lobus venae azygos ansehen. Aber es gibt andere Dinge, die noch nicht so oft im Netz (offen !) verfügbar sind. Oder Dinge, die doch so variabel vorkommen, dass es sich doch lohnt, einen weiteren Fall zu zeigen. Jeder Radiologe, der etwas Freude an seinem Fach hat, wird auch dauernd in seinem Alltag Bilder entdecken, die ein Krankheitsbild, einen Befund, ein radiologisches Zeichen einfach etwas besser zeigen als die Bilder, die es bisher schon gibt. (Ich gehe hier  darauf ein, wie man Bilder eben qualitativ gut aufbereitet.) Das ergibt sich allein schon aus der Tatsache, dass die Computer- und Magnetresonanztomographen, die Ultraschall- und Röntgengeräte ja auch weiterentwickelt werden. Da kommt dann schon mal ein besseres Bild raus.

Wenn keine eigene Sammlung, wohin dann mit dem tollen Bild?

Der klassische Weg für die Veröffentlichung eines spannenden Falls / Befundes aus der Radiologie ist ja wohl ein Case report in irgendeinem Paper. In der Regel ist der Aufwand dafür jedoch relativ hoch, vor allem kann zwischen dem Einreichen eines Falles und der Veröffentlichung viel Zeit vergehen. Wenn dann in der Zwischenzeit weitere 10 tolle Fälle da waren, kann man schon mal den Drive verlieren. Dann verschwinden die erstklassigen Bilder auf Nimmerwiedersehen im Pacs.

Man wird auch bei wissenschaftlich nicht so super spannenden, aber dennoch guten, lehrreichen Fällen / Bildern öfter mal einen Korb bekommen, was nicht gerade die Motivation steigert. Wer sich wissenschaftlich etablieren will (oder muss), wird dennoch wohl diesen Weg wählen. Wenn man Wert darauf legt, dass der Fall offen, also ohne eine (evtl. kostenpflichtige) Zugangsbeschränkung zugänglich ist, findet man inzwischen genügend Publikationsorgane, die zum Teil auch die Bilder und geschriebenen Texte dann unter einer Creative-Commons-Lizenz (CC) zur Verfügung stellen, was eine Nutzung für andere wesentlich erleichtert und so eine breitere Verteilung des Bildes bewirkt. Dieser Weg wird z. B. auch in der Fallsammlung der European Society of Radiology beschritten.

Andere Sammlungen

Was ist nun von Sammlungen zu halten, bei denen die Hürden für eine Veröffentlichung deutlich geringer sind? Bei Wikipedia (oder commons.wikimedia.org dem allgemeinen Medienpool dafür) muss man sich nur anmelden und kann hochladen. Auch bei der inzwischen sehr großen Sammlung von Radiopaedia kann man einfach loslegen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.